Die dunkle Seite des Mondes - Martin Suter

Starwirtschaftsanwalt Urs Blank, fünfundvierzig, Fachmann für Fusionsverhandlungen, hat seine Gefühle im Griff. Doch dann gerät sein Leben aus den Fugen. Ein Trip mit halluzinogenen Pilzen führt zu einer gefährlichen Persönlichkeitsveränderung, aus der ihn niemand zurückzuholen vermag. Blank flieht in den Wald. Bis er endlich begreift: Es gibt nur einen Weg, um sich aus diesem Albtraum zu befreien.

Die dunkle Seite des Mondes ist eines der zahlreichen Romane des Schweizer Schriftstellers Martin Suter. Wie so üblich stellt Suter auch in diesem Werk den Protagonisten in eine Ausnahmesituation, in der dieser eine Persönlichkeitsveränderung durchlebt. Einerseits wird die Finanzwelt durch den Raubtierkapitalismus und die Fusionen dargestellt, andererseits ruht der Roman auf einem sehr aktuellen Thema, den Drogen.

Martin Suters Roman haben wir im Deutschunterricht gelesen. Wie so üblich benutzt er eine sehr einfache Sprache. Die dunkle Seite des Mondes ist das erste Werk des Schweizer Schriftstellers das mich nicht so ganz überzeugt hat. Dies liegt vor allem daran, dass er ab einem bestimmten Punkt, meiner Meinung nach, zu viele Handlungsstränge auf einmal und auch viel zu detailliert beschreibt. Auch das Thema an sich ist nicht so ganz mein Fall und das Ende fand ich sehr enttäuschend.
Als Pflichtlektüre in der Schule eignet es sich jedoch gut, da es einigermaßen viel zu analysieren gibt.


Was wir über Urs Blank erfahren

  • Hauptprotagonist
  • Doktorarbeit und "bar exam"
  • Partner bei "Geiger, von Berg und Minder"
  • mit 45 Jahren ist er einer der besten Wirtschaftsanwälte des Landes
  • amerikanische Zulassung als Anwalt
  • Experte für "Mergers & Acquisitions"
  • er verdient viel Geld
  • "Urs hatte mehr verdient, als er sich zu Beginn seines Jurastudiums hätte träumen lassen"
  • seine Kleider sind alle maßgeschneidert
  • er ist geschieden, zum Glück kinderlos
  • seine Freundin Evelyn Vogt ist unabhängig, Besitzer eines Designerladens
  • Leben = von Langeweile und Routine geprägt
  • Persönlichkeitsveränderung durch Pilztrip

Charakterisierung von Pius Ott

  • 63 Jahre alt, sieht für sein Alter noch gut aus
  • feingliedriger Bau, blassgrüne Augen, hageres Gesicht, weiß kurzgeschorenes Haar
  • benötigt eine Brille nur zum Lesen
  • pflegt seine Zähne akribisch mit Zahnseide, hat noch alle 32
  • hat einen Ruhepuls 60, Blutdruck 125/75
  • hat ein Zahlengedächtnis, stolz darauf
  • passionierter Jäger, sammelt Trophäen von seltenen Tieren
  • risikofreudiger Investor: geht Risiken ein, wenn ihm dies opportun oder strategisch wichtig erscheint
  • "Es war nicht das erste Mal, dass er aus persönlichen Motiven mehr riskierte, als geschäftlich ratsam war" = Vorausdeutung
  • Multimillionär (eigenes Hallenbad, Privatjet,...)
  • große finanzielle Mittel, Finanzkraft, Flexibilität
  • ausdauernd und zielstrebig, mag keine Rückzüge
  • ist ein Pedant: kontrolliert und achtet auf alles (Aussehen, Lächeln,...)
  • hasst Fluri (Fusionspartner) seit seiner Militärszeit: bezeichnet ihn als "alten Wichtigtuer", spricht von "Fluris-Balg"
  • er ist sehr gut organisiert, plant Geschäfte längerfristig
  • Erotik spielt in seinem Leben keine große Rolle: hällt nichts von der Liebe, keine Frau oder Kinder, geht zu Prostituierten, sadomasochistische Praktiken
  • hat nur Geschäftsbeziehungen, folgt seinen Zielen, Idealen
  • er ist skrupellos und kalt
  • bekommt alles was er will, egal durch welche Mittel
  • Leben besteht aus Routine
  • von sich selbst eingenommen, eitel, egoistisch, einsam
  • er ist unabhängig
  • ist ärgerlich und ungehalten wenn etwas nicht nach seinen Vorstellungen abläuft
  • er ist allen überlegen: fliegt über den kahlen Wald
  • berechnender Mensch, der sich nur nach Machtanspruch sehnt

Blanks Persönlichkeitsveränderung

Vor dem Trip:

  • erfolgreicher Wirtschaftsanwalt
  • fleißig und diszipliniert
  • zurückhaltend, hat sich im Griff
  • elegant

Nach dem Trip:

  • statt Eleganz: Nachlässigkeit
  • sehr rücksichtslos
  • Midlife-Crisis: keinen Drang mehr sich zu pflegen, zieht sich immer mehr zurück
  • ist launisch und wortkarg
  • beleidigt jeden und wird zunehmend aggressiv
  • vernachlässigt seine Arbeit
  • ihm ist alles gleichgültig
  • nach 2.Trip: Schuldgefühle wegen Gewalttaten
  • nach 3.Trip: Gewissen funktioniert wieder wie früher, verzichtet darauf Pius Ott zu töten
  • Blank sühnt seine Taten dadurch, dass er stirbt

Persönlichkeiten des Romans

Positive Persönlichkeiten:

  • Evelyne Vogt
  • Alfred Wenger: steht immer hinter Blank, versucht ihn in die richtige Richtung zu lenken, hilft ihm als Einziger, solidarischer Freund

Negative Persönlichkeiten:

  • Lucille: Pilzkonsum, ahnungslos und naiv, hat sich von Urs abgewendet sobald es kompliziert wurde, neuen Freund gesucht, genaue Gegenteil von Alfred Wenger
  • Pius Ott (!): Ausnutzen der Personen zu seinem Zweck, Schuld an Fluris und Blanks Tod, jedoch ist er der Sieger am Ende, musste Urs Blank beseitigen da er ihm gefährlich wurde (Leiche begraben)

Raubtierkapitalismus im Roman

Bedeutung des Begriffs:
Raubtierkapitalismus ist, wenn der Profit im Vordergrund steht und Entscheidungen z.B. bei Fusionen getroffen werden, die der Maximisierung des Kapitals dienen, ohne Rücksicht auf die Auswirkungen dieses Handelns in Bezug auf die Mitarbeiter und andere Verlierer zu nehmen.
Bei Fusionen werden häufig kleinere Firmen von größeren Firmen "gefressen", so wie Raubtiere ebenfalls auf die Jagd gehen, um Schwächere zu erbeuten und zu vertilgen. Es gilt das davinistische Prinzip, dass nur die Stärksten einer Rasse überleben. So entsteht ein Verdrängungswettbewerb, der durch die Globalisierung weltweit stetig zunimmt. Nicht zu unterschätzen ist die Macht der Wirtschaftsanwälte und Spezialisten, die durch taktisches Pokern und hartes Verhandeln die Situation beeinflussen.

Kritik des Raubtierkapitalismus im Roman:

  • Fusionen = negativ dargestellt
  • Insiderinformationen über Leute beeinflussen die Handlungen
  • ständig wird alles überwacht: Szene mit Zugriff auf Computerdaten
  • es handelt sich also oft um Machtpoker ohne Rücksicht auf Verluste zu nehmen
  • Verlierer im Roman: Urs Blank, Dr. Fluri (Unternehmen aufgebaut, Verlust in Russland, Selbstmord)
  • desto größer die Firma, desto enormer können die Schwankungen werden